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Bronzegiessen

[Textiltechniken][Holzbearbeitung][Glasperlenherstellung][Bronzegiessen]

 

HINWEIS: Ich biete dieses Jahr am 22./23.07. auf dem Gelände des Archäologischen Freilichtmuseums Bajuwarenhof Kirchheim bei München wieder einen Kurs im Bronzegiessen an. Der Kurs dauert eineinhalb Tage. Bei Interesse bitte eine e-mail an die in Kontakt genannte e-mail Adresse oder eine Nachricht über das Kontaktformular senden.

 

Das Giessen von flüssiger Bronze in Formen war schon sehr viel früher üblich und verbreitet als das Schmieden von Eisen bzw. Stahl, da die Legierung Bronze schon sehr viel früher "entdeckt" wurde als das Verhütten von Eisenerzen. Bronze war eines der wichtigsten Materialien in der Entwicklung der Menschen - nicht umsonst wurde das Zeitalter, in dem diese Legierung aus Kupfer und Zinn vorwiegend benutzt wurde, als Bronzezeit bezeichnet. Aber auch sehr viel später, als Eisen und Stahl schon längst Einzug in den Alltag der Menschen gehalten haben, wurde Bronze vielseitig für Gebrauchs- wie auch Schmuckgegenstände verwendet.

 

Das wohl häufigste Verfahren, das damals verwendet wurde, ist das Wachsausschmelzverfahren. Bei Einzelstücken wird hierbei das Modell direkt aus Wachs hergestellt, ein Angusstrichter anmodelliert, dieses Modell dann mit Lehm ummantelt, getrocknet und im Feuer gebrannt. Hierbei schmilzt das Wachs aus der Form heraus und hinterlässt einen Hohlraum in Form des Modells. Dieser Hohlraum wird mit Bronze ausgegossen. Nach dem Abkühlen wird der Bronzegegenstand aus der Lehmform befreit, indem die Form zerschlagen wird. Sie kann also kein weiteres Mal verwendet werden - deshalb gehört das Wachsausschmelzverfahren zu den Verfahren mit "verlorener Form". Sollte der Guss misslingen, so muss man wieder ganz von vorne anfangen.
Sollen mehrere gleiche Gegenstände gegossen werden, so benötigt man hierfür auch mehrere gleichartige Modelle. Für diesen Fall wird zunächst eine Gussform hergestellt, in der dann beliebig viele Wachsmodelle gegossen werden können.
Das Prinzip des Wachsausschmelzverfahrens wird heute noch angewendet - vor allem in der Industrie als sogenanntes Feingussverfahren.
Ist bei Veranstaltungen Bedarf an einer Vorführung des Wachsausschmelzverfahrens, so bitte ich aufgrund der zeitaufwendigen Vorbereitungen um frühzeitige Mitteilung.

 

Die Giesstechnik, die ich meist zur Herstellung von Bronzegegenständen verwende, ist das Sandgussverfahren - ebenfalls ein Verfahren mit "verlorener Form". Auch diese Technik gab es im Frühmittelalter bereits, allerdings nicht mit modernem, ölgebundenen Formsand, sondern mit feinem Quarzsand, der mit Bindemitteln wie z.B. Lehm versetzt wurde. Um dem Publikum den Formenbau und den Giessprozess in einem angemessenen Zeitrahmen vorführen zu können, verwende ich meist das Sandgussverfahren mit modernem Formsand und einem heute üblichen Formrahmen, denn Formen aus Lehm für das Wachsausschmelzverfahren bedürfen einer langwierigen Vorbereitungszeit.

 

Bügelfibel.

Fibeln dienten ganz allgemein als "Sicherheitsnadeln", um Kleidungsstücke zusammenzuhalten und auch als Schmuckelement.
Die von mir hergestellten Bügelfibeln sind mass-stäbliche Repliken von zwei Fibeln, die in einem Kindergrab (Grab 4) in Unterhaching bei München gefunden wurden. Die Originale sind aus Silber. Die zeitliche Einstufung wurde von den Archäologen mit ca. 500 n.Chr. angegeben.

Der erste Schritt ist das Erstellen eines Modelles des abzugiessenden Gegenstandes. Dies ist der aufwändigste Teil bei der Herstellung von gegossenen Gegenständen.

Das fertige Holzmodell.

Ich verwendete für das Modell ein dicht gewachsenes und relativ homogenes Stück Birnbaumholz. Es gibt moderne Modellwachse, die einfacher zu bearbeiten sind.

Eine Sandgussform vor dem Zusammensetzen.

Ein Formrahmen wird mit Formsand gefüllt und dieser verdichtet. Das Modell wird etwa bis zur Hälfte seiner Höhe in den Formsand gedrückt. Das Modell beläßt man zunächst so an Ort und Stelle und trägt auf die Sandfläche ein Trennmittel auf, damit der Sand der zweiten Formhälfte später nicht mit dem Sand der Ersten verklebt. Ich verwendete hier Holzkohlestaub. Auf den schon gefüllten Formrahmen steckt man nun den zweiten und befüllt mit Formsand und verdichtet diesen. Das Modell ist jetzt im Sand vollständig eingeschlossen. Man trennt die beiden Formhälften, entnimmt das Modell, ergänzt den nun vorhandenen Hohlraum mit einem Angusstrichter und Entlüftungskanälen. Nach dem Zusammensetzen der Formhälften ist die Form vorbereitet für den Abguß.

Um mit einem Holzkohlefeuer genügend Hitze zu erzeugen, um die Bronze im Tiegel zu schmelzen, bedarf es schweißtreibender Pumparbeit an den Blasebälgen.

Der eigentliche Abgiessvorgang dauert nur ein paar Sekunden.

Hier erfolgt der Guß in eine einteilige Lehmform (Wachsausschmelzverfahren).

Nach dem Abkühlen kann man den Gußrohling aus der Form entnehmen.

Die fertigen, nun versilberten, Bügelfibeln. Die Nadeln zur Befestigung am Gewand sind auf der Unterseite montiert.

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Bajuwarische Zierscheibe.

Eine solche oder auch ähnliche Zierscheiben trug die bajuwarische Frau als Amulett an ihrem Gürtelgehänge. Die von mir hergestellte Zierscheibe ist keine masstäbliche Replik, orientiert sich aber sehr stark an einem Fund aus Germering.

Ich habe hier eine eher ungewöhnliche und zugegebenermaßen umständliche Methode benutzt, um zum Ergebnis zu kommen.

Ich stellte zuerst diese Lehmform her, indem ich die Vertiefungen aus dem noch feuchten Lehm schnitzte. Der sogenannte Anguss - der "Trichter", in den das flüssige Metall gegossen wird - ist zum Zeitpunkt des Fotos noch nicht modelliert.

Die Lehmform brannte ich im Feuer.

Mit einer glatten Gegenplatte habe ich die Form geschlossen und mit einer Zinn/Blei-Legierung ausgegossen. Nach dem Entfernen des Angusses, dem Verputzen und Glätten, erhielt ich dieses relativ stabile Modell der Zierscheibe.

Verwendet man das Sandgussverfahren, so sollte das Modell eine gewisse Stabilität haben, damit es beim Eindrücken in den Formsand nicht zerbricht. Filigrane Strukturen aus Wachs (Bienenwachs oder auch modernes Kerzenwachs) als Modellmaterial können problematisch sein. Deshalb hatte ich mich entschieden, das Modell aus Metall zu gießen.

Das Zinnmodell diente nun dazu, die zweiteilige Gießform für den Bronzeguß im Sandgußverfahren herzustellen (Vorgehensweise siehe oben).

 

Das Bild zeigt die bronzene Zierscheibe im Rohzustand nach dem groben Entfernen des Angusses.

Die fertiggestellte und punzierte Zierscheibe.

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